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Ich lege seit Jahren selbst in ETFs an — warum sollte ich das abgeben?

Kurz: Wenn Ihr Depot aus drei ETFs besteht, Sie es einmal im Jahr rebalancieren und dabei ruhig schlafen, gibt es keinen guten Grund abzugeben. Die Frage stellt sich woanders: wenn das Vermögen in mehreren Töpfen liegt, wenn entnommen statt eingezahlt wird, wenn ein Verkauf, ein Ruhestand oder eine Übertragung ansteht — und wenn Sie merken, dass Sie die Zeit dafür nicht mehr aufbringen. Bezahlt wird dann nicht die Ausführung, sondern die Planung und ihre Begleitung.

Von Björn Siegismund · Zuletzt aktualisiert am 19. September 2026

Was ein selbst gebautes ETF-Depot gut kann

Sehr viel. Ein breit gestreutes Weltportfolio aus zwei oder drei ETFs, einmal jährlich rebalanciert, schlägt über zwanzig Jahre die Mehrheit der aktiv gemanagten Fonds — nach Kosten. Wer das diszipliniert durchhält, macht nichts falsch. Wir sagen das auch im Erstgespräch, wenn es zutrifft.

Unser eigener Kern ist nicht grundsätzlich anders gebaut: ein breiter, allwetterfähiger ETF-Core über Aktien, Anleihen, Gold und Rohstoffe, günstig und regelgebunden. Dazu kommen begrenzte Satelliten mit eigenen, akademisch belegten Renditequellen. Keiner dieser Bausteine gewinnt jedes Jahr — genau darum geht es, denn liefen alle gleichzeitig, wäre es keine Streuung, sondern eine einzige große Wette. Sie verändern das Risikoprofil des Portfolios, sie ersetzen den Kern nicht.

Deshalb trägt das Produktargument hier nicht. Der Unterschied liegt nicht darin, dass wir Zugang zu etwas hätten, das Ihnen verschlossen wäre.

Der Grund, der selten ausgesprochen wird

Die meisten, die zu uns kommen, können selbst anlegen. Sie tun es nur nicht mehr.

Das Depot läuft, aber die Steuerbescheinigung liegt seit März ungeöffnet da. Die Verlustverrechnung wurde zwei Jahre nicht gemacht. Die Aufteilung passt noch zu einer Lebenssituation von vor fünf Jahren. Nicht aus Desinteresse — sondern weil ein Unternehmen zu führen, eine Familie zu haben und nebenbei ein siebenstelliges Vermögen sauber zu steuern drei Aufgaben sind und nicht eine.

Delegation ist hier keine Kapitulation. Es ist dieselbe Entscheidung, die Sie bei der Buchhaltung längst getroffen haben: nicht, weil Sie es nicht könnten, sondern weil Ihre Zeit an anderer Stelle mehr wert ist.

Wo Robo-Advisor und KI-Agenten enden

Ein Robo-Advisor ist in aller Regel selbst ein BaFin-lizenzierter Finanzportfolioverwalter. An der Zulassung liegt der Unterschied also nicht. Er liegt im Umfang: Sie beantworten einen Fragebogen, bekommen eines von fünf Risikoprofilen und ein Portfolio, das dazu passt. Für viele Anleger ist das genau richtig, und es kostet einen Bruchteil.

Was dabei nicht stattfindet, ist die Frage, wofür das Geld eigentlich da ist. Kein Fragebogen rechnet aus, wann Ihre Pensionszusage einsetzt, was der Verkauf Ihrer Beteiligung steuerlich auslöst, wie viel Sie übertragen können, ohne selbst knapp zu werden, oder was sich ändert, wenn Sie mit achtundfünfzig aufhören statt mit siebenundsechzig. Für KI-Agenten gilt dieselbe Grenze: Sie beantworten Fragen hervorragend. Sie kennen Ihre Situation nicht, und sie haften nicht für ihren Rat.

Ihre Zahlen kennt jede App. Ihre Geschichte kennt nur ein Mensch.

Ab wann sich eine Verwaltung rechtfertigt

Nicht ab einer bestimmten Summe, sondern ab einer bestimmten Zahl beweglicher Teile. In der Praxis sehen wir vier Auslöser: Das Vermögen liegt in mehreren Töpfen — privat, GmbH, Immobilie, Beteiligung — und niemand hat ein Bild vom Ganzen. Aus dem Depot wird entnommen statt eingezahlt, womit die Reihenfolge der Jahre plötzlich zählt. Ein Ereignis steht an: Verkauf, Ruhestand, Übertragung, Erbfall. Oder Sie haben schlicht keine Zeit mehr dafür und merken es an den Dingen, die liegen bleiben.

Trifft nichts davon zu, sagen wir das. Ein Mandat beginnt bei uns ab 500.000 Euro und kostet 0,95 Prozent im Jahr. Ohne diese Komplexität ist ein selbst geführtes Weltportfolio in aller Regel die bessere Wahl.

Wofür Sie bezahlen — und wofür nicht

Sie bezahlen nicht für die Ausführung. Orders, Sparpläne, Rebalancing — das kostet heute fast nichts, und wir stellen es auch nicht in Rechnung.

Sie bezahlen für die Planung Ihrer eigenen Lebenssituation und dafür, dass sie über Jahre begleitet wird. Welcher Teil Ihres Vermögens wofür bestimmt ist. Wann welche Einkünfte einsetzen und wie groß die Lücke bleibt, die das liquide Vermögen schließen muss. Was ein Verkauf, eine Schenkung oder ein früherer Ausstieg an dieser Rechnung ändert. Und die laufende Kontrolle, ob der Plan noch trägt — Jahr für Jahr, Plan gegen Ist. Das Depot ist das Instrument, mit dem diese Planung umgesetzt wird. Es ist nicht das Produkt.

Was wir nicht versprechen, ist eine höhere Rendite als ein breit gestreutes Weltportfolio. Wir versprechen, dass Ihr Vermögen zu Ihrem Leben passt — und dass jemand mitdenkt, wenn sich eines von beidem ändert.

Häufige Fragen

FAQ

Kann ich mein bestehendes Depot mitbringen, oder muss alles verkauft werden?
Übertragen wird, was passt. Ein Depotübertrag löst selbst keine Steuer aus, ein Verkauf schon — deshalb prüfen wir vor jedem Umbau, welche Position tatsächlich stört und welche einfach weiterlaufen kann. Altbestände, die vor 2009 erworben wurden, bleiben im Verkauf einkommensteuerfrei und werden bei uns grundsätzlich nicht angefasst.
Kann ich einen Teil weiter selbst verwalten?
Ja. Manche Mandanten behalten ein eigenes Depot für Einzeltitel, die ihnen Freude machen. Wir nehmen es in die Gesamtübersicht auf, damit die Aufteilung über beide Depots stimmt, verwalten es aber nicht mit.
Wie viel Aufwand bleibt bei mir?
Ein Jahresgespräch, dazu Quartalsberichte und Updates, wenn sich etwas ändert. Entscheidungen im Depot treffen wir; was Ihre Planung betrifft — Entnahmehöhe, größere Vorhaben, Übertragungen — entscheiden Sie.
Ist 0,95 Prozent nicht viel, wenn ein ETF 0,20 kostet?
Die beiden Zahlen messen Unterschiedliches. Die 0,20 Prozent sind der Preis eines Produkts, die 0,95 Prozent der Preis einer Dienstleistung, in der dieses Produkt vorkommt. Vergleichbar wird es erst, wenn Sie danebenstellen, was Sie an Planung und Begleitung dafür bekommen — und was Ihre eigene Zeit wert ist.
Habe ich noch Einfluss darauf, was im Depot passiert?
Auf die Struktur ja, auf die einzelne Order nein — das ist der Unterschied zwischen Verwaltung und Beratung. Ausschlüsse, Sperrvermerke für bestimmte Positionen und Ihre Risikobereitschaft legen wir gemeinsam fest und halten sie im Mandat fest.
Was, wenn ich das Mandat wieder beenden will?
Das geht jederzeit, ohne Frist und ohne Abschlag. Das Depot lautet ohnehin auf Ihren Namen; endet das Mandat, endet nur unsere Verfügungsbefugnis.

Seelenruhe beginnt mit einem Gespräch.

Sie erzählen — wir hören zu und ordnen.