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Der größte Teil meines Vermögens steckt in meiner Firma — wie strukturiere ich das?

Kurz: Nicht die Firma diversifizieren, sondern außerhalb der Firma einen Teil aufbauen, der unabhängig von ihr trägt — privat oder im Firmendepot der Gesellschaft. Entscheidend ist dabei kein Prozentsatz, sondern ein Betrag: die Summe, die Ihren Lebensstandard sichert, wenn aus dem Unternehmen für einige Jahre nichts kommt.

Drei Dinge hängen an derselben Firma

Bei den meisten Unternehmern, mit denen wir arbeiten, hängen drei Dinge an derselben Firma: das laufende Einkommen, der größte Teil des Vermögens und häufig auch die Altersvorsorge. Das ist normal — niemand baut ein Unternehmen auf, um es klein zu halten. Zum Problem wird es erst, wenn ein einzelnes Ereignis alle drei gleichzeitig trifft: ein schwaches Jahr, ein Branchenumbruch, der Ausfall eines Großkunden. Dann sinkt nicht nur der Unternehmenswert, es fehlt gleichzeitig das Einkommen, aus dem man ihn sonst ausgeglichen hätte. Das ist kein Kapitalmarktrisiko, sondern ein Konzentrationsrisiko — und auflösen lässt es sich nur außerhalb der Firma.

Dazu kommt eine zweite Abhängigkeit, die selten ausgesprochen wird: Das Privatvermögen ist zugleich die stille Reserve des Unternehmens. Persönliche Bürgschaften, Gesellschafterdarlehen, Nachschuss in einer angespannten Phase. Die Verbindung läuft in beide Richtungen, und sie wird genau dann relevant, wenn es ohnehin eng ist.

Die Frage ist nicht „wie viel Prozent“, sondern „welcher Betrag“

In Prozent zu denken führt in die Irre. Wenn das Unternehmen wächst, sinkt der Anteil des freien Vermögens rechnerisch immer weiter — auch dann, wenn man außerhalb konsequent aufbaut. Die brauchbare Rechnung geht andersherum: Welcher Betrag trägt Ihren Lebensstandard, wenn aus der Firma für drei, für fünf Jahre nichts kommt? Was daneben verlässlich fließt — Mieten, Versorgungswerk, das Einkommen des Partners — wird angerechnet. Was bleibt, ist die Lücke, und diese Lücke ist der Betrag, der außerhalb liegen muss.

Diese Zahl wächst nicht mit dem Unternehmenswert, sondern mit den Lebenshaltungskosten. Sie ist damit erreichbar, auch für jemanden, dessen Firma neunzig Prozent des Vermögens ausmacht, und sie lässt sich jedes Jahr überprüfen. Sie ist zugleich Ihre Altersvorsorge: Wer den Verkauf des Unternehmens als Versorgung einplant, setzt alles auf einen einzigen Zeitpunkt und einen einzigen Käufer.

„Aber im Unternehmen ist die Rendite doch höher“

Der Einwand kommt in fast jedem Erstgespräch, und er ist berechtigt. Nur werden hier nicht zwei Renditen verglichen, sondern eine Rendite mit einer Versicherung. Was Sie im Unternehmen verdienen, ist die Vergütung für ein Risiko, das Sie ohnehin vollständig tragen — jeder zusätzliche Euro dort erhöht die Abhängigkeit, statt sie zu senken. Der Teil am Kapitalmarkt kauft etwas anderes ein: die Gewissheit, dass Ihr Lebensstandard nicht an einem einzigen Unternehmen hängt.

Es geht deshalb nicht darum, das Geschäft auszuhungern, sondern darum, den Aufbau außerhalb nicht endlos zu verschieben. Was über den Betrag hinausgeht, der Ihre Unabhängigkeit trägt, darf gern im Unternehmen bleiben.

Wie der freie Teil aufgebaut wird

Zuerst die Bestandsaufnahme, was überhaupt frei ist: Bürgschaften, gestellte Sicherheiten und Gesellschafterdarlehen binden Vermögen, das auf dem Papier verfügbar aussieht, und Immobilien zählen mit dem, was sie tatsächlich an Überschuss liefern. Dann die Richtung. Risikostreuung bedeutet für Unternehmer etwas anderes als für andere Anleger: Das freie Kapital muss dort investiert sein, wo Sie Ihr Geld nicht ohnehin verdienen. In der Praxis sitzt das Klumpenrisiko selten im Depot, sondern in der Gewerbeimmobilie am Firmenstandort, im Darlehen an die eigene Gesellschaft und in Beteiligungen an Kunden oder Lieferanten — alles an derselben Konjunktur wie das operative Geschäft.

Und schließlich Beweglichkeit, der Punkt, der Unternehmer von anderen Anlegern unterscheidet. Wenn die Firma Kapital braucht, muss man herankommen, erfahrungsgemäß in Phasen, in denen auch die Märkte schwach stehen. Wir investieren deshalb ausschließlich in liquide, börsentäglich handelbare Märkte, ohne geschlossene Strukturen und ohne Kündigungsfristen, und führen für absehbaren Bedarf einen Puffer außerhalb des Kapitalmarkts. Der Rest wird global über Aktien, Anleihen, Gold und Rohstoffe verteilt, nach unserem Allwetter-Prinzip.

Unsere Rolle — und ihre Grenzen

Wir sind ein unternehmergeführtes, BaFin-reguliertes Wertpapierinstitut in Berlin mit Erlaubnis nach § 15 WpIG zur Finanzportfolioverwaltung (§ 2 Abs. 2 Nr. 9 WpIG) und übernehmen die Verwaltung des freien Teils — privat gehalten oder im Firmendepot einer Gesellschaft. Nicht zu uns gehören der Verkauf von Unternehmensanteilen, die Steuer- und Rechtsberatung und die haftungsrechtliche Seite: keine Strukturen gegen Gläubigerzugriff, keine Familienstiftungen. Fragen zur Trennung von Firma und Privatvermögen oder zu einer Holding sprechen wir an und ordnen sie ein; gestaltet werden sie von Ihrem Steuerberater, mit dem wir uns abstimmen.

Was wir zusagen, ist schmaler und dafür belastbar: dass der Teil Ihres Vermögens, der nicht in der Firma steckt, seine Aufgabe erfüllt, wenn es darauf ankommt. Erreichbar zu sein — und unabhängig von dem zu arbeiten, was in Ihrem Unternehmen passiert.

Häufige Fragen

FAQ

Wie viel Prozent meines Vermögens sollten außerhalb der Firma liegen?
In Prozent zu denken führt hier in die Irre. Maßgeblich ist der absolute Betrag, der Ihren Lebensstandard trägt, wenn aus der Firma für einige Jahre nichts kommt. Bei einem wachsenden Unternehmen sinkt der prozentuale Anteil ohnehin immer weiter — das ist kein Argument, außerhalb weniger aufzubauen.
Soll ich Gewinne ausschütten oder im Unternehmen lassen?
Das entscheidet Ihr Steuerberater anhand Ihrer Situation. Für die Anlage ist die Frage weniger entscheidend, als sie wirkt: Es geht nicht darum, wo das Geld formal liegt, sondern ob es investiert ist und unabhängig vom eigenen Geschäft arbeitet. Auch Mittel, die in der Gesellschaft bleiben, lassen sich so anlegen.
Können Sie auch überschüssige Firmenliquidität anlegen?
Ja. Ein Firmendepot auf die Gesellschaft ist bei uns Standard und folgt derselben Anlagestrategie und derselben Verwaltungsgebühr wie ein privates Mandat.
Ist mein Privatvermögen überhaupt frei, wenn ich Bürgschaften gegeben habe?
Nur zum Teil. Persönliche Bürgschaften und gestellte Sicherheiten binden Vermögen, das auf dem Papier verfügbar aussieht. Wir erfassen sie in der Übersicht, weil sie verändern, was tatsächlich zur Verfügung steht.
Was, wenn die Firma das Geld kurzfristig braucht?
Dann muss es erreichbar sein. Wir investieren deshalb ausschließlich in liquide, börsentäglich handelbare Märkte — keine geschlossenen Beteiligungen, keine Kündigungsfristen. Für absehbaren Bedarf kommt ein Puffer außerhalb des Kapitalmarkts dazu.
Sind meine Immobilien nicht schon Diversifikation?
Selten so viel, wie es aussieht. Liegen sie am Firmenstandort oder hängen sie an derselben regionalen Konjunktur, verstärken sie das Klumpenrisiko eher, als es zu senken. Und liquide sind sie in dem Moment, in dem man sie bräuchte, ohnehin nicht.
Ab welchem Vermögen arbeiten Sie mit Unternehmern?
Ab einem frei investierbaren Vermögen von 500.000 EUR. Darunter ist die Struktur meist noch einfach genug, um sie ohne individuelle Verwaltung zu führen.
Gehört meine Pensionszusage in diese Betrachtung?
Ja — in die Übersicht, auch wenn wir sie nicht verwalten. Wer sie ausblendet, unterschätzt, wie stark das eigene Alterseinkommen an der Firma hängt.